Neurechter als Security in Geflüchtetenunterkunft, LK Goslar

Das hat die kasseler Gruppe task öffentlich gemacht. Sie schreibt dazu Folgendes (zuerst ist der Artikel erschienen hier):

Nachdem wir erst vor kurzem einen Artikel über die Beschäftigung eines „Sturm 18“-Neonazis in einer Heidelberger Unterkunft für Geflüchtete (Indymedia, taz, Frontal21)  geschrieben haben, müssen wir nun erneut einen ähnlichen Fall öffentlich machen: In einer Unterkunft in St. Andreasberg (Landkreis Goslar) arbeitet der neurechte Kasseler Aktivist Viktor Seibel als Security.

Einen Namen in der rechtsradikalen Szene machte sich Seibel durch unzählige Auftritte auf Kundgebungen und Demonstrationen als Redner oder (Mit-)Organisator. Zuletzt sprach er bei einem Naziaufmarsch in Wetzlar.

In seinen wirren Reden vermengt Seibel unterschiedliche Verschwörungstheorien mit Hetze gegen Refugees und nationalsozialistischer Agitation. Die Rede ist vom „deutschen Schuldkomplex“, den es zu überwinden gelte und der bis heute andauernden „Unterdrückung und Umerziehung des deutschen Volkes“ durch die USA. Wer die „Wahrheit“ erkannt habe, würde von Antifa, „Lügenpresse“ und Politik als Nazi oder Holocaustleugner diffamiert. Im Zuge seiner eigenen Radikalisierung – von den verschwörungstheoretischen Mahnwachen über Kagida, Pegida und Pegada hin zu Hooligan- und NPD-Veranstaltungen – verstrickt sich Seibel in immer wahnhaftere Erklärungsmuster der Welt, die hier en détail auszuführen den Rahmen des Artikels bei weitem sprengen würde.

Politischer Werdegang und Radikalisierung

Sein politisches Engagement begann mit der Kasseler Friedensmahnwache, an deren Organisation er maßgeblich beteiligt war. Von Haus aus Verschwörungstheoretiker, schreckt Viktor „der Wahnsinnige“ Seibel nicht vor einem Schulterschluss mit Rechtsradikalen und Neonazis zurück. Bereits kurz nach der Gründung von Kagida (heute Pegida Kassel) näherte sich Seibel der sich damals noch im Aufwind befindenden Gruppe an und wurde dafür von den Montagsmahnwachen ausgeschlossen.

Schon einige Monate später tourte Seibel quer durch’s Land und beteiligte sich bei diversen Pegida Ablegern und anderen Veranstaltungen. Von Kassel, Lübeck, Duisburg und Braunschweig über Nordhausen, Wurzen, Stendal, Dresden, Chemnitz bis Magdeburg, Halle uvm. trat Seibel in der gesamten Bundesrepublik als Redner auf, so unter anderem beim offenkundig rechtsradikalen thüringischen Thügida. Bei Pegada und den “EnDgAmE“-Demonstrationen gehörte Seibel zum Kreis der Organisatoren. Er scheut ganz offensichtlich nicht den Schritt nach rechtsaußen und trat bei Hooliganaufmärschen wie der „Offensive für Deutschland“ in Leipzig oder einer von Neonazis organisierten Demonstration mit dem Namen „Wir lieben Gera“ auf; zusammen mit Kadern wie David Köckert (NPD) und Alexander Kurth (Die Rechte).

Angehender Lehrer und Türsteher

Neben seinem Lehramtsstudium an der Uni Kassel, das er aufgrund seiner politischen Aktivitäten pausiert hat, bestritt er seinen Lebensunterhalt als Türsteher. In den vergangenen Jahren hatte er verschiedene Anstellungen im Sicherheitsbereich und verlor diese u.a. wegen seiner Beteiligung bei Kagida.

Durch seine wöchentlichen Ausflüge auf Demonstrationen und Kundgebungen häufte er immer mehr Schulden an. Schließlich nahm er gezwungenermaßen eine Stelle als Security-Teamleiter in der Unterkunft für Geflüchtete in der ehemaligen Rehberg-Klinik in St. Andreasberg (Landkreis Goslar) an, um seine offenen Rechnungen zu zahlen. Er ist dort laut Eigenaussage verantwortlich für 45 Security-Mitarbeiter_innen.

Wieder einmal findet sich also ein Rechtsradikaler in einer zentralen Machtposition innerhalb einer Unterkunft für Geflüchtete. Als Leck, durch das Informationen über das Leben in der Unterkunft in fragwürdige Kreise gelangen, fungiert Seibel dabei selbst. Mit seinen Facebook-Freunden, zu denen unzählige Neonazis gehören, teilt er Bilder und Geschichten aus der Unterkunft, die von ihnen oftmals rassistisch kommentiert werden. Dass jemand, der in seiner Freizeit vor Tausenden davon redet, Deutsche seien Menschen zweiter Klasse im eigen Land und undankbare, kriminelle “Asylanten” würden Deutschland an den Rand eines Bürgerkrieges treiben, geeignet sein soll, für die Sicherheit einer Unterkunft zu sorgen, ist ein schlechter Witz.

Auch wenn Seibel kein ideologisch gefestigter Nationalsozialist mit zusammenhängendem Weltbild ist, hat er sich in den letzten Monaten als Akteur der radikalen Rechten etabliert. Auf Demonstrationen und Kundgebungen fischt er schon seit langem tief im braunen Sumpf. Um das herauszufinden, braucht man keinen Geheimdienst. Einfach seinen Namen in eine Suchmaschine einzugeben, hätte gereicht. Es bleibt also die Frage, warum sich nach allen Skandalen über rechtes Wachpersonal in Unterkünften für Geflüchtete bisher nichts an den Verfahren zur Auswahl der Mitarbeiter_innen geändert zu haben scheint.

Dass die Sicherheitsbranche äußerst anziehend auf Rechte wirkt, ist seit Jahrzehnten kein Geheimnis. Auch wenn es sich, wie bei Viktor Seibel, dabei wohl in den seltensten Fällen um Ausdruck einer politischen Strategie handelt, ist es im Bezug auf den Schutz von Unterkünften für Geflüchtete besonders problematisch.